Communiqué de presse | 11.03.2014

Purim

In diesem Jahr findet der Tag des Judentums zur gleichen Zeit wie das jüdische Purimfest statt. Einen Einblick in die Bedeutung von Purim bietet der nachfolgende Beitrag von Dr. Richard Breslauer.

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Purim und der Masken-Karneval in Venedig zeigen einmal mehr die nahe Verbindung des Christentums zum Judentum. Zwei Religionen mit gleichartigen Wurzeln, die aber doch sehr oft verschieden sind; zwei sehr ähnliche Feste, die aber auf verschiedenartige Ereignisse aus der Vergangenheit hinweisen.

Der Masken-Karneval, die Fasnacht, ist der Übergang zur Fastenzeit, die dann bis zur Erlösung (Ostern) führt. Purim ist der Übergang von der Fastenzeit zur Erlösung, durch die Verhinderung eines Plans, das jüdische Volk zu vernichten.

Purim, ein eintägiges jüdisches Fest, wurde in der biblischen Zeit eingeführt. Dieses Fest soll die Erzählung aus dem Buch Ester in Erinnerung bewahren und die Gläubigen dazu motivieren, die Konsequenzen aus dieser Geschichte zu ziehen.

Der Brauch, sich am Purim zu maskieren, hat wahrscheinlich seine Wurzeln im Venedig des 11. Jahrhunderts. Dennoch finden die Rabbinen einen biblischen Anhaltspunkt für diesen Brauch. Sie führen ihn auf das Buch Ester zurück.

Der Ausdruck ונהפוך הוא, wenahafoch hu, „es wendete sich“ [1], ist für die rabbinische Interpretation ein klarer Hinweis, sich zu wenden, anders zu werden, d. h. sich zu maskieren. Durch diesen Brauch will das Judentum die Allmacht Gottes in Erinnerung rufen. Auch wenn es jemandem vollkommen schlecht oder sogar katastrophal geht, kann oder sollte er auf eine Intervention Gottes hoffen. Der Mensch soll daran glauben, dass der allmächtige Gott zum richtigen Zeitpunkt eine Wende herbeiführen wird – genau so, wie es den Juden laut dem Buch Ester geschah.

Co-Präsidium der JRGK, im März 2014

Prof. Dr. Verena Lenzen                                           Rabbiner Dr. David Bollag

[1] Est 9,1: „Im zwölften Monat nun, das ist der Monat Adar, am dreizehnten Tage, an welchem des Königs Wort und Gebot in Erfüllung gehen sollte, an eben dem Tage, an welchem die Feinde der Juden hofften, sie zu überwältigen, wendete es sich so, dass die Juden ihre Hasser überwältigen durften.“