04.12.2004

Stellungnahme zum Dokument über Abendmahl und Taufe des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK/FEPS

In ihrer Sitzung vom 4. Dezember 2004 hat die Ökumenekommission der Schweizer Bischofskonferenz die Überlegungen und Empfehlungen des SEK zu Abendmahl und Taufe zur Kenntnis genommen. Ihre Überlegungen sind als erste Stellungnahme dazu zu betrachten.

 

1. Sie dankt dem Evangelischen Kirchenbund der Schweiz für seine Ausführungen, die aufgrund der Leuenberger Konkordie von 1973 die Grundlinien des evangelischen Abendmahls-, Kirchen- und Amtsverständnisses darlegen, und begrüsst sie als hilfreiche Diskussionsbasis für das ökumenische Gespräch.

 

2. Aufgrund ihrer Überlegungen prüfte sie, welche Empfehlungen an die evangelischen Mitgliedkirchen katholischerseits unterstützt werden können; ferner, ob die katholische Position jeweils zutreffend wiedergegeben ist.

 

 

Das Abendmahl in evangelischer Perspektive- Überlegungen und Empfehlungen des Rates SEK

 

zu 1. Gegenwart und Geschenk Jesu Christi

Jesus Christus als Grund und Inhalt des Abendmahls ist ökumenischer Konsens, ebenso dass es Gabe an seine Kirche ist. Wenn es heisst, „Die gesamte Gemeinde trägt die Verantwortung dafür, dass das Evangelium in Wort und Sakrament verkündigt wird“ stellt sich für uns die Frage, wiediese Verantwortungkonkret  wahrgenommen wird.Was heisst „die Kirche“ berufe Männer und Frauen und beauftrage sie durch Ordination: wie geschieht dies ohne bevollmächtigte Instanz?Die unverzichtbare Verbindung von Eucharistie und Sakrament der Weihe in der katholischen und orthodoxen Tradition soll gerade diese Instanz und darüber hinaus die Gabe, welche die Vollmacht der Gemeinde überragt, sichtbar machen.

 

zu 1.2. Vergebung und neues Leben

DasGedächtnis(memorial des unwiederholbaren Opfers Christi) ist nicht nur Erinnerung (souvenir), sondern Wieder-Aufleben (revecu) eines Ereignisses. Zwar trifft es zu, dass „das Geheimnis der Präsenz Jesus Christi das Verstehen der Kirche überragt“, doch hat für die katholische Kirche die sakramentale VergegenwärtigungKonsequenzen im Umgang mit den eucharistischen Gestaltenund kann nicht dem Belieben der Auffassungen (an die Gestalten gebunden oder allein erinnernd und geistlich) überlassen werden.

 

zu 1.3. Gemeinschaft und Dienst

Die durch das Abendmahl bezeichnete Einheit über die Ortsgemeinde hinaus ist im katholischen Verständnis nicht nur eine räumliche (mit der eigenen Konfession und den andern christlichen Kirchen), sondern auch eine zeitliche (Rückbindung an den Ursprung der Kirche durch die apostolische Sukzession). Wenn es heisst, die „apostolische Kontinuität ist ständig in kritischer und produktiver Auseinandersetzung mit Wort, Sakrament und kirchlichen Lehrtradition zu gewinnen“, stellt sich für uns wiederum die Frage,wiedies geschehen soll und welche Gremien darüber entscheiden. Die in Genf im 16. Jh. bereits geführte Debatte über die „sucession de doctrine“ müsste beachtet werden. Auch die katholische Kirche versteht sich als „semper reformanda“, doch ist für sie diesichtbare Einheit der Kirche, die die Eucharistiebezeichnet, Voraussetzung. Die Eucharistie istnicht Mittel zur Einheit, darum ist die bisweilen in Genf praktizierte propädeutische Funktion der Eucharistie (als Hinführung zur Taufe) für uns unmöglich; sie ist auch nicht biblisch begründet.

 

zu 1.4 Vergegenwärtigung und Verkündigung

Deranamnetische Charakter der ganzen Eucharistiefeierist vom 2. Vatikanischen Konzil betont worden (Gegenwart im Wort, in den Gestalten, in der Gemeinde). Es ist in der katholischen Kirche keineswegs so, dass „allein das Handeln des Priesters der Vergegenwärtigung dient“ und dass allein der Tod Jesu im Vordergrund steht. So bekennt die ganze Gottesdienstgemeinde nach der Konsekration „deinen Tod, o Herr, verkünden wir, deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“. (Zur Anamnese sh. 1.2. „Gedächtnis“)

 

zu 1.5. Bekenntnis und Begegnung

Auch die katholische Kirche kennt dieEucharistie als „Wegzehrung“(viaticum) zB. für die Kranken, die nicht an der gemeinsamen Feier teilnehmen können und als Zeichen des Volkes Gottes auf dem Weg, als Ermutigung und Stärkung (Fronleichnam, Eucharistische Anbetung). Die seit dem 2. Vatikanum verstärkte Betonung derEpiklesevor der Konsekration und die laute Verkündigung der Einsetzungsworte zeigen die unlösbare Verbindung von Wort und Geistwirken, die Unverfügbarkeit für die versammelte Gemeinde. Immer aber ist die Eucharistie über diese hinausausgerichtet auf die gesamte Kirche(Memento für die Lebenden und Verstorbenen) und den Kosmos. So betont Johannes Paul II., dass jede Eucharistie „immer in einem gewissen Sinn auf dem Altar der Welt zelebriert“ wird, Himmel und Erde verbindet und alles Geschaffene umfasst und erfüllt (Ecclesia de Eucharistia Nr. 8).

 

zu 1.6 Dank und Lob

Hierin betrifft die Einigkeit aller Konfessionen auch das Anliegen der evangelisch-reformierten Kirche, dass das ganze christliche Leben „eucharistisch“ sein soll.

 

Zu 2. Empfehlungen

Die Praxis gemeinsamer Abendmahls-/Eucharistiefeiern in evangelischen und katholischen Gemeinden wird nicht erst durch die Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ oder die Instruktion „Redemptionis sacramentum“ als unzulässig gesehen, sondern hat auch keinen Rückhalt im 2. Vatikanum. Sie verdeckt dieekklesiologische Dimension der Eucharistiezugunsten einer geistlichen Erbauung einzelner Ortsgemeinden und ihrer Mitglieder. Sie fördern den in der Charta Oecumenica geforderten Respekt im Dialog nicht.

Die Empfehlung, „von Inter- und Konzelebration im gegenwärtigen Zeitpunkt abzusehen“  und der Hinweis auf das noch nicht erreichte Ziel ist zu begrüssen. Auch dieeucharistische Gastfreundschaftist aus theologischen Gründen für die katholische Kirche nur im Ausnahmefall zugelassen (zB. bei konfessionell gemischten Ehen) und kein pastorales Präjudiz für den Regelfall. Die im ERGK-Papier zur eucharistischen Gastfreundschaft 2001 (sh. Fussnote 10) eingeführte Argumentationsfigur der „Normativität des Faktischen“, in der die Ausnahme tendenziell zum Normal- oder Regelfall wird,  war ein Grund für die Zurückweisung durch die Bischofskonferenz. Die offene Einladung der reformierten Kirchen an die Angehörigen anderer Konfessionen setzt implizit voraus, dass es eine Gegenseitigkeit in der „Eucharistischen Gastbereitschaft“ der katholischen Kirche geben sollte, was aufgrund des auf die Gesamtkirche bezogenen katholischen Eucharistiverständnisses nicht möglich ist. Die Aussage „Christinnen und Christen können an der Abendmahls- oder Eucharistiefeier  in der Schwesterkirche teilnehmen und dort nach sogrfältiger Prüfung ihres Gewissens kommunizieren“ mag für die verschiedenen Kirchen des SEK gelten, ist aberals Empfehlung an diekatholische Kirche unzulässig(die Unmöglichkeit aus theologischen Gründen wurde zuvor erwähnt, doch die „guten Gründe“ ausgeweitet in diese Empfehlung, die die Kompetenz des SEK überschreitet).

Wenn klar gestellt wird, dass die Einladung zur Eucharistie an Getaufte ergeht und dieAbfolge Taufe-Abendmahl aus theologischen Gründen unumkehrbarist (2.2), ist es widersprüchlich, unmittelbar darauf einschränkend zu sagen, die Taufe sei nicht im rechtlichen Sinn Bedingung für die Teilnahme am Mahl und lediglich „in aller Regel“ Voraussetzung dafür. Die Vereinbarung der gegenseitigen Anerkennung der Taufe von 1973 würde dadurch für die katholische Kirche in Frage gestellt.

Begrüssenswert ist die Nennung dervielfältigen Möglichkeiten ökumenischer Zusammenarbeitals gemeinsames christliches Zeugnis, die Hinweise auf altkirchliche Gebetsformen, Sensibilität im Umgang mit den übrig bleibenden Abendmahlselementen, Aufmerksamkeit für die Episkopè und die biblische Tradition sonntäglicher Eucharistiefeier. DieAnmahnung liturgischer Disziplinin der Respektierung der konstitutiven Elemente der Eucharistie sind durchaus auch für katholische Seelsorger und ihre Gemeinden beherzigenswert.

 

 

Zur Wiedertaufe – Überlegungen und Empfehlungen des Rates SEK

 

Das Problem der Wiedertaufe in evangelischen Gemeinden ergibt sich aus der volkskirchlichenPraxis der Kindertaufeund aus der aktuellen Diskussion der Wiedertaufe in mehreren Mitgliedkirchen. Der biblisch begründete Akt der Taufe ist einmaliges Bekenntnis des Glaubens, das im Falle unmündiger Kinder die zuvorkommende Gnade Gottes und die Verpflichtung für Eltern und Gemeinde zum Ausdruck bringt; als allen christlichen Kirchen gemeinsames Zeichen des Evangeliums wäre die Anerkennung der Wiedertaufe (Erwachsene) ein Zeichen der Spaltung mit unabsehbaren Folgen für die Ökumene; eine Wiedertaufe zum Zweck der Glaubensvergewisserung würde die Taufe auf eine subjektive Erfahrung reduzieren. Diese Argumentation teilen wir.

Der SEK prädiert für eine differenzierte Taufpraxis, diedas Sakrament der Taufe deutlich von andern Formen der Taufbestätigung unterscheidetunddie Einmaligkeit der Tauferespektiert. Für die katholische Kirche ist die Einmaligkeit der Taufe (Erwachsener oder Kinder) als Sakrament der Initiation conditio sine qua non für die Zugehörigkeit zur Kirche und den Zugang zu den andern Sakramenten. Die Feststellung des SEK „Der Rat SEK hält fest, dass die Wiedertaufe weder biblisch noch dogmatisch sinnvoll begründet werden kann und daher in keinem Fall möglich ist“ und: „Wenn eine Kirche in den eigenen Reihen die Wiedertaufe übte, würde sie die eigene Lehre und Praxis der Taufe und damit das eigene Verständnis von Kirche untergraben“ entspricht auch der katholischen Tauftheologie. Da für sie die Taufe zursakramentalen Ordnung der Kirchegehört, impliziert die Anerkennung der Taufe anderer Kirchen eine Sakramentalität ausserhalb der katholischen Kirche, weshalb die Durchsetzung dieser Empfehlung des SEK zur Sicherung der Grundlagen der Vereinbarung von 1973 (gegenseitige Anerkennung der Taufe) von zentraler Bedeutung ist.

 

Die Ökumenekommission begrüsst die Stellungnahme des SEK als Basis einer weiteren Klärung im ökumenischen Dialog und dankt dem SEK für sein Positionspapier, auch wenn sie bei einigen Empfehlungen Vorbehalte anbringen musste.

Ökumenekommission